Geschichte des Kachelofens

Geschichte des Kachelofens

Ein Knistern liegt in der Luft

Bei der Beziehung von Mensch zu Feuer kann man von einer besonderen Anziehungskraft sprechen. Vielleicht liegt es daran, dass das feurige Element schon immer das Überleben der Menschheit sicherte, indem es Höhlen und Behausungen erwärmte. Auch wenn das Lagerfeuer in der Höhle und das Feuer im Brennraum eines Ofens dasselbe geblieben ist, so geht es heute nicht vorrangig ums Überleben, sondern darum, sich Behaglichkeit und Wohlbefinden ins eigene Heim zu holen.

Erste Berührungen mit Keramik

Die ersten Öfen wurden aus Lehm und Kalk gebaut, und man stellte fest, dass Keramik die Konstruktion erleichtert. Die vom Hafner verwendete Keramik bestand aus feinem, mit Schamott abgemagerten Ton. Jeder, der über das nötige Kleingeld verfügte, ließ sich also einen Ofen aus Keramikbauteilen setzen. Aus diesem „Setzen“ der Bauteile entstand der Beruf des Ofensetzers.

Der Begriff „Ofensetzer“ sagt Ihnen relativ wenig? Dies liegt daran, dass man diese Berufssparte in Österreich, Südtirol und Südbayern unter dem Namen „Hafner“ kennt. Am „Häfen“ erkennt man, dass sich der Beruf des Hafners aus diesem Begriff heraus entwickelt hat.

Und dann kam der Kachelofen

Betrachtet man die Geschichte, so gibt es kein zweites Heizsystem, welches auf eine deKachelofenrart lange Tradition zurückblicken kann. Die ältesten Objekte fand man im Elsass, in Baden-Württemberg und der Nordwest-Schweiz. Die Funde stammen vermutlich aus der Zeit des 8. und 9. Jahrhunderts.

Vermutlich im Laufe des 11. Jahrhunderts entwickelte sich aus diesen einfachen Heizöfen der Hinterlader-Kachelofen. Dieser wurde von der Rückseite her, meistens aus der Küche, befeuert. Zwar zog der Rauch immer noch in die Küche ab, der Ofen selbst – über den letztendlich die Wärmeabgabe erfolgte – stand allerdings in einem in sich abgeschlossenen Raum, der somit rauchfrei blieb. Dadurch erzielte man eine wesentliche Verbesserung der Wohn- und auch Lebensqualität. Die Stube, der zentrale Lebens- und Arbeitsraum des Mittelalters, war geboren. Aber auch die Technik bei der Herstellung der benötigten Kacheln wurde stets verbessert. Durch die Entwicklung von verzierten und mit Ornamenten versehenen Ofenkacheln wurde auch das Auge des Betrachters verwöhnt und der Kachelofen übernahm nicht nur die Rolle des wohligen Wärmespenders, sondern sorgte auch dafür, dass man ein einzigartiges Schmuckstück mit repräsentativer Funktion herzeigen konnte.

Die damaligen Ofensetzer fertigten einzigartige sowie individuelle Einzelstücke an, die ungefähr ab dem 14. Jahrhundert besonders prunk- und prachtvoll gestaltet waren und an deren Tradition sich bis heute nichts geändert hat.

Rauchabzug damals und heute

Während sich die Designs der Kachelöfen den verschiedenen Stilepochen anpassten, blieb die dahinterstehende Technik lange Zeit unverändert. Im 18. Jahrhundert gab es zwar erste Bestrebungen, Kachelöfen mit Schonsteinen zu verbinden, doch wurde dies weitgehend noch nicht umgesetzt. Anstatt dessen wurden kachelofenKachelöfen meist mit geöffneter Heiztüre von der Küche oder einem Nebenraum aus befeuert, wodurch Rauchgas und Ruß austraten. Diese Form der Heizung war weder romantisch noch effektiv und gesundheitlich wohl kaum von Vorteil. Wenn die Heiztür nach dem Abbrennen des Holzes geschlossen wurde, oblag es der Konstruktion der Wände, wie lange sich die Wärme hielt. Im Idealfall gab es eine Esse als Abzug, andernfalls war es ein Glück, wenn die Rauchgase durch undichte Fenster, Türen und Dachkonstruktionen entweichen konnten.

Heutzutage sieht dies zum Glück ganz anders aus, denn durch modernste Berechnungsprogramme kann der Kachelofen perfekt an den Rauchfang angepasst werden. Somit wird eine deutliche Reduktion der Emissionen erzielt. Um zu garantieren, dass die keramische Heizanlage nach Stand der Technik berechnet wurde und der Kleinfeuerungsverordnung ART 15a B-VG entspricht, werden die Kachelöfen mit Typenschildern gekennzeichnet.

Ab 01.01.2022 wird es neue Ökodesignrichtlinien für Raumheizgeräte geben. Ab diesem Zeitpunkt werden EU-weit einheitliche Regelungen für Ökodesignanforderungen und ein Energielabelling für Raumheizgeräte eingeführt.

Der Kachelofen, allseits beliebt

An der Faszination des Kachelofens hat sich bis heute nichts geändert. Ganz im Gegenteil. Konnten sich damals lediglich die oberen Zehntausend dieses Heizsystem leisten, so erlebt der Kachelofen heute eine wahre Renaissance und ist ein besonders beliebter und vor allem jetzt auch leistbarer Wärmespender, der sehr gerne als Zusatz- und bei Neubauten mit sehr guter Wärmedämmung sogar als Ganzhausheizung eingesetzt wird.

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